![]() |
| Hildegard Remling |
Kommentar von Hildegard Remling, Fachreferentin für Frauenarbeit, zur Frauenfachtagung der KAB Bayerns zur Bewertung der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise aus Frauensicht
Ist das Bruttosozialprodukt einziger Indikator unserer Lebensqualität? Warum steigt das Bruttosozialprodukt, wenn ein Auto repariert wird, nicht aber, wenn Kinder erzogen werden?
Nicht umsonst ist diese Diskussion in Frankreich gerade aktuell, was eigentlich ins Bruttosozialprodukt gerechnet werden soll.
Diese und andere Fragen waren Thema beim DialogForum Frau + Politik von 08.-09.01.2010 in St. Ulrich in Augsburg. Veranstalter waren die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Bayerns und das Sozialinstitut der KAB kifas. Die fast 30 Vertreterinnen aus den Bayerischen Diözesanverbänden befassten sich mit dem Thema: „Die Wirtschaftskrise: Ihre Folgen für Frauen und Perspektiven einer gendergerechten Ökonomie“ Der KAB Diözesanverband Eichstätt war mit 6 Teilnehmerinnen stark vertreten.
Durch Impulse von Dr. Gabriele Schambach (Genderworks) und Prof.Dr. Gabriele Michalitsch (Wirtschaftsuniversität Wien) wurden Wege aus der Krise beleuchtet. Eine Krise, die in keinster Weise eine nur wirtschaftliche, oder eine moralische ist, sondern auch und vor allem eine politische.
Es wurde deutlich, dass in der gesellschaftlichen Debatte selten volkswirtschaftlich sondern fast nur betriebswirtschaftlich diskutiert wird. Hinzu kommt in der Volkswirtschaft selbst der Siegeszug der neoliberalen Schule, die es inzwischen sogar geschafft hat, dass Volkswirtschaft zu den Naturwissenschaften gezählt wird. Die damit einhergehende Mathematisierung täuscht eine Objektivität vor, die nicht vorhanden ist, und verschleiert erkenntnisleitende Interessen der handelnden Akteure.
Ein Aspekt der aktuellen Krisenbewältigung waren die bisherigen Interventionen. Es wurde deutlich: Von den Konjunkturpaketen profitieren in großem Maße Männer. Sinnvoller und auf lange Sicht hilfreicher wäre es jedoch, konjunkturunabhängige Berufe vor allem in der bezahlten Versorgungsarbeit (z.B. Pflege) zu fördern. Ebenso wichtig wäre es, die vorhandene Erwerbsarbeit auf mehr Menschen zu verteilen, beispielsweise durch Arbeitszeitbegrenzung.
Um Binnennachfrage wirklich anzukurbeln, müssten insbesondere die unteren Einkommen gesteigert werden. Die Einführung eines Mindestlohns ist überfällig. Die KAB fordert ihn schon lange: 9,20 € wären angemessen, um auch im Alter ausreichend abgesichert zu sein.
Alle aktuellen Maßnahmen "gegen die Krise" bewirken nur, dass der Status Quo erhalten bleibt. Doch wo bleibt der Mensch der doch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft ist (Gaudium et Spes)? Wo bleibt die wirkliche Qualität unseres Zusammenlebens? Sollte es stimmen, was in wirtschaftswissenschaftlichen Fachkreisen kursiert: "Offenbar kann die Welt zugrunde gehen, der Kapitalismus wird es nicht ?"







