Seit dem Mai 2007 besteht das Ingolstädter Aktionsbündnis zum Schutz des freien Sonntages und hat in dieser Zeit schon einige Aktionen initiiert, die Sonn- und Feiertage als Phasen der Arbeitsruhe und Erholung für die Menschen in Ingolstadt zu bewahren. Dem Aktionsbündnis gehört die Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evang.-Luth. Kirche Kreis Ingolstadt (afa), die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), der Arbeitnehmerpastoral im Bistum Eichstätt, die Caritas, der Dekanatsrat der Katholiken, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Diakonie, das Evang.-Luth. Stadtdekanat, die katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), das Katholische Stadtdekanat, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern Regionalstelle Ingolstadt (KDA), die Gewerkschaft Ver.di und der VdK an.
Nun hat das Bündnis die Vertreter der Stadtratsparteien an einen Tisch geholt, um mit ihnen darüber zu sprechen, wie die Stadt Ingolstadt in Zukunft den Schutz des Sonntages gewähren will. Das Ergebnis: Auch weiterhin bleibt Ingolstadt die Ausnahme unter den bayerischen Großstädten und duldet keine verkaufsoffenen Sonntage. Damit sei, so Wilfried Maxim vom DGB Ingolstadt und Sprecher des Aktionsbündnisses, für die Menschen in der Stadt, die Familien, die Beschäftigten im Einzelhandel, die Kirchen, die Sportvereine und die Klein- und mittelständischen Betriebe viel gewonnen. Denn der Sonntag sei eine soziale Errungenschaft in einer Zeit ständiger Arbeitsverdichtung und als Tag der Ruhe, der Erholung und der Gemeinschaft unverzichtbar.
Überraschend einmütig bekräftigten alle Parteienvertreter den Ingolstädter Kurs forderten dazu auf, mit diesem Stück Ingolstädter Lebensqualität auch in den Gemeinden der Region 10 zu werben.
Dr. Christian Lösel (CSU) versicherte, die Ingolstädter CSU-Fraktion sei grundsätzlich gegen verkaufsoffene Sonntage in der Stadt. Jedoch habe die CSU Verständnis für die Ingolstädter Unternehmer, die aufgrund der verkaufsoffenen Sonntage in umliegenden Gemeinden Wettbewerbsverzerrungen beklagen. Er forderte daher vor dem Hintergrund der Problematik regionaler Umsatzverschiebungen das Bündnis dazu auf, gemeinsam auch in anderen Gemeinden für den verkaufsfreien Sonntag zu werben und die Umlandkommunen von dem Stück zusätzlicher Lebensqualität für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die eine Stadt damit gewinne, zu überzeugen.
Veronika Peters von den Freien Wählern beteuerte, ihre Fraktion und sie persönlich werde den Sonntag ewig schützen und eine Preisgabe nicht zulassen. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung gewinne der freie Sonntag zusätzlich an Bedeutung. Zeit und Zuwendung nicht nur für Kinder, sondern auch für die Pflege und Betreuung der Älteren sei nötig. Im Übrigen sei der freie Sonntag nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber schützenswert.
Dr. Manfred Schuhmann (SPD) erklärte, dieses Thema sei für die SPD dermaßen tabu, dass es in der Fraktion bislang noch nicht einmal diskutiert worden sei. Er wolle auch eine Lanze für die Sportvereine in dieser Stadt brechen, die eine bedeutende soziale Funktion hätten und dessen Aktivitäten selbstverständlich hauptsächlich am Sonntag stattfänden.
Angelika Wegener-Hüssen (Die Grünen) mahnte, der Stadtrat solle sich auch um ein Festchen herum nicht beschwatzen lassen, den Sonntag in Ingolstadt freizugeben. Viel zu lange sei man in dieser Frage in vielen Kommunen und beim sonntäglichen Semmelverkauf viel zu unaufmerksam gewesen und habe so ohne Not ein Stück geschätzter Sonntagskultur verloren.
Jürgen Siebicke (Die Linke) schilderte, wie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Verfügbarkeit über freie Zeit bei gleichzeitiger Arbeitsverdichtung durch ständige Flexibilisierung verloren gegangen sei und welche Probleme diese Entwicklung für die Freizeitgestaltung der Menschen mit sich bringe. Deshalb seien für seine Partei schon im Interesse der im Einzelhandel Beschäftigten und ihrer Familien eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag sowie Aktionen wie das Dämmershopping völlig indiskutabel.
Auch ÖDP-Stadtrat Franz Hofmaier lehnte Sonntagsöffnungen generell ab, schon weil er Respekt davor habe, dass Menschen an der Ausübung ihres Glaubens nicht behindert werden. Auch er warb dafür, die umliegende Region für den Wert, den der Sonntag damit in Ingolstadt erhalte, zu begeistern. Ziel müsse es sein, das Gut des freien Sonntages in die Region hinauszutragen und damit einen dauerhaften Schutz – über Stadtgrenzen hinaus – zu erleichtern.
Die grippebedingt verhinderte Stadträtin Christel Ernst (FDP) hatte schon vorab telefonisch erklärt, sie stehe uneingeschränkt für das Ingolstädter Modell, am Sonntag den Verkauf ruhen zu lassen. Sie persönlich genieße den sonntäglichen Spaziergang durch die Innenstadt ohne Verkaufsständer und sehe darin für die Bürgerinnen und Bürger ein Gewinn.
Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Wilfried Maxim, freute sich über so deutliche Worte und griff den Gedanken einer regionalen Initiative bereitwillig auf. Im Bündnis habe man es schon immer irritierend gefunden, mit welcher Verschämtheit Ingolstadt mit diesem Stück städtischer Lebensqualität umgegangen sei, statt mit diesem Standortvorteil zu werben. Er verabredete, dass das Aktionsbündnis mit Hilfe des Ingolstädter Stadtrates gerne einen Dialog mit den Kommunen der Region 10 organisiere, der das Ziel habe, in der Region die Sonntage zu schützen. „Meine Vision“, so Maxim, „ ist es, dass sich die Bürgermeister der Region zu einem freiwilligen Verzicht auf verkaufsoffene Sonntage bereiterklären, wenn sie sehen, dass sie sich vor dem Nachbarn nicht fürchten müssen, weil auch der die Sonntage zum Schutze der Menschen in seiner Gemeinde nicht preisgibt.“









