Hier geht es also um Unternehmen, die Aufträge an Unterfirmen weiter vergeben und teilweise von dort noch einmal an weitere Unternehmer vergeben werden. "Gerade in den tief gestaffelten Subunternehmerketten entstehen die prekärsten Arbeitsbedingungen“, betont KAB Diözesanvorsitzender Andreas Holl. „Hier ist die Gefahr am größten, dass gesetzliche Standards unterlaufen werden – oft unkontrolliert von den Paketdiensten, die letztlich die Verantwortung tragen.“
Neue Gesetze – gleiche Probleme
Zwar schreibt das seit 1. Januar 2025 geltende Postgesetz vor, dass Paketdienste die Einhaltung der Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Subunternehmerkette nachweisen müssen. Zudem müssen sich alle Subunternehmen bei der Bundesnetzagentur registrieren lassen und können bei Verstößen ihre Lizenz verlieren. Doch aktuelle Entwicklungen zeigen: Die Realität hinkt weit hinter den gesetzlichen Vorgaben her.
- Laut einer aktuellen Verdi-Befragung müssen 89 % der Kuriere deutlich mehr Arbeit in derselben Zeit bewältigen.
- Der Krankenstand liegt bei 7,69 % – weit über dem Durchschnitt vieler Branchen.
- NRW-Kontrollen zwischen Mai und August 2025 ergaben bei über der Hälfte der geprüften Subunternehmen gravierende Mängel.
Besonders drastisch zeigt sich das in der Adventszeit: „In diesen Wochen kommen viele unerfahrene Aushilfskräfte zum Einsatz – der Zeitdruck wächst, die Risiken ebenso“, so Holl.
Werkverträge: Schlupfloch für Ausbeutung schließen
Wie der KAB Bundesverband betont, bleiben Werkverträge ein Motor struktureller Ausbeutung. Der Diözesanverband Eichstätt unterstützt deshalb die klaren bundesweiten Forderungen:
Werkverträge in der Paketzustellung müssen abgeschafft und durch echte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ersetzt werden.
Unser Verband begrüßt die dauerhafte Verlängerung des Paketboten-Schutz-Gesetzes durch den Bundestag, mahnt aber gleichzeitig: „Die Entfristung ist ein wichtiges Signal, aber ohne konsequente Kontrollen wird sich wenig ändern. Entscheidend ist, dass Verstöße in allen Gliedern der Subunternehmerketten geahndet werden.“
Der KAB-Diözesanverband appelliert an Verbraucherinnen und Verbraucher, während der Black-Friday-Woche und der Adventszeit bewusst zu bestellen:
- Sammelbestellungen statt vieler Einzelpakete
- Retouren vermeiden
- Anbieter mit fairen Arbeitsbedingungen bevorzugen
- Packstationen oder Abholpunkte nutzen
„Aber klar ist auch: Die Hauptverantwortung darf nicht auf die Kundinnen und Kunden abgewälzt werden“, betont Holl. „Ohne strengere Vorgaben und deren Durchsetzung wird es keine spürbare Verbesserung geben.“
Als Teil der Aktion FAIRES Paket setzt sich der KAB-Diözesanverband Eichstätt dafür ein, dass Paketzusteller:innen endlich unter Bedingungen arbeiten können, die ihrer Leistung gerecht werden. „Faire Arbeit darf kein Sonderangebot sein – auch nicht am Black Friday“, so Holl.