1. Demografische Entwicklung seit Jahrzehnten bekannt
Die Auswirkungen des Renteneintritts der Babyboomer-Generation sind seit langem wissenschaftlich belegt und politisch vorhersehbar. Dennoch haben aufeinanderfolgende Bundesregierungen es versäumt, die Deutsche Rentenversicherung frühzeitig zu stärken, breiter aufzustellen oder Beitragssätze und Finanzierungsgrundlagen vorausschauend anzupassen. Die aktuelle Situation ist daher kein überraschendes Ereignis, sondern Ergebnis jahrelanger politischer Untätigkeit.
2. Rentnerinnen und Rentner tragen erheblich zum Staatshaushalt bei
Entgegen mancher Stimmen – darunter der „Jungen Gruppe“ in der Unionsfraktion – leisten die Babyboomer auch im Ruhestand einen substantiellen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens. Expertenschätzungen gehen bereits für 2025 von rund 62,7 Milliarden Euro Einkommensteuerzahlungen durch Rentnerinnen und Rentner aus. Durch den sinkenden Steuerfreibetrag wird dieser Beitrag in den nächsten Jahren weiter steigen. Diese Fakten, so die KAB, gehören zwingend in die aktuelle Debatte.
3. Reformen sind notwendig – aber bitte gerecht
Dass die gesetzliche Rentenversicherung zukunftsfest gemacht werden muss, ist unstrittig. Aus Sicht der KAB braucht es dafür jedoch faire und solidarische Lösungen, die junge Menschen ebenso im Blick behalten, ohne die Versorgung der Älteren zu gefährden. Dazu gehören etwa eine Erweiterung des Kreises der Beitragszahler, die Einbeziehung weiterer Einkommensarten sowie die Integration bislang separater Versorgungswerke. Solche Schritte würden das System langfristig stabilisieren.
4. Die Ideen liegen auf dem Tisch
Andreas Holl, Vorsitzender der KAB im Diözesanverband Eichstätt, fordert die Bundesregierung auf, die dringend nötige Reform des Rentensystems nicht erneut aufzuschieben, sondern mutige Entscheidungen zu treffen, um Planungssicherheit für alle Generationen zu schaffen.
Er benennt konkrete Maßnahmen: „Erstens sollte der Kapitalstock stärker am Kapitalmarkt eingesetzt werden. Zweitens müssen zukünftige Beamte in die Deutsche Rentenversicherung einbezogen werden. Und drittens sollten Minijobs – bis auf wenige Ausnahmen – abgeschafft bzw. in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse überführt werden. Die Stärkung der betrieblichen Altersversorgung kann ein weiterer Baustein sein.“
5. Gefahr einseitiger Belastungen
Die KAB warnt davor, Reformen erneut vor allem dort anzusetzen, wo der geringste Widerstand zu erwarten ist: bei den Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und zuverlässig Beiträge geleistet haben. Veränderungen am Rentensystem dürfen nicht zulasten jener gehen, die auf eine verlässliche Alterssicherung angewiesen sind.